zurück                                                                                                                                                        
 
     
     
  Badische Zeitung vom Dienstag, 9. November 2004

Die Nebelbombe, die von einem Skandal ablenken soll

BZ-GASTBEITRAG:

Der "Plan" der Regierung, einen Feiertag zu streichen, ist nur ein vom Taktiker Schröder inszeniertes Manöver
Von Lüder Gerken

Gerhard Schröder ist ein brillanter Taktiker. Und alle gehen ihm auf den Leim: die Opposition, die Presse, selbst der Bundespräsident. Was ist geschehen? Die vor kurzem veröffentlichte Steuerschätzung ergab: 2005 werden die Steuereinnahmen um 4,8 Milliarden Euro geringer ausfallen als erwartet. Das bedeutet eine noch höhere Staatsverschuldung, als sowieso schon geplant war.

Das Versprechen der Bundesregierung, 2005 die Verschuldungsgrenzen des Euro-Stabilitätspakts einzuhalten, wurde endgültig Makulatur. Was tun? Die Regierung beschloß eine Doppeltaktik: eine dubiose, ja skandalöse Geldbeschaffungsaktion, kaschiert mit dem Abwurf einer Nebelbombe. Die Nebelbombe: die Streichung des 3. Oktober als Feiertag. Finanzminister Eichel begründete dieses Vorhaben mit Mehreinnahmen von 500 Millionen Euro - nicht sehr viel bei einem Staatsdefizit von 40 Milliarden Euro. Auch verschwieg er, daß sich Mehreinnahmen frühestens 2006 einstellen, also den Staatshaushalt 2005 gar nicht entlasten können.

Schröder tat kund, daß man mit der Streichung des 3. Oktober gar keine Mehreinnahmen erzielen, sondern das Wachstum anregen wolle. Nach nur einem Tag gab man den "Plan" auf. Fazit: Nicht ernst gemeint. Aber ganz Deutschland erregte sich, sprach über nichts anderes mehr. Und die Bombe verbreitet weiter Nebel: Das Marktgeschrei um längere Wochenarbeitszeiten, weniger Urlaub, Streichung kirchlicher Feiertage hält das Land in Atem.

Die Verschleierungstaktik geht perfekt auf. Der Skandal, der vernebelt wird: Die Bundesregierung will die staatlichen "Pensionsforderungen" in Höhe von 18 Milliarden Euro veräußern. Worum geht es? Als Telekom, Deutsche Post und Postbank noch nicht privatisiert waren, stellten sie viele Mitarbeiter als Beamte ein. Beamte zahlen keine Beiträge zur Rentenversicherung, sondern erhalten im Alter eine Pension vom Staat. Das war ein Problem bei der Privatisierung. Denn wie sollten die späteren Pensionen der weiter beschäftigten, nicht kündbaren Beamten aufgebracht werden? Die Lösung: Der Staat übernahm die Pensionsverpflichtungen für die bei den Unternehmen beschäftigten Beamten.

Um die Pensionslasten zu finanzieren, wurden die privatisierten Unternehmen verpflichtet, einen substanziellen Beitrag zu leisten: Sie müssen jedes Jahr einen Zuschuß in Höhe von 33 Prozent der Gehälter aller noch bei ihnen beschäftigten ehemaligen Beamten an den Staat abführen. Das sind derzeit etwa 1,5 Milliarden Euro jährlich.

Weil jedes Jahr Beamte in den Ruhestand gehen, schrumpft diese Summe zwar kontinuierlich. Bis 2040 der letzte Beamte pensioniert wird, werden die drei Unternehmen aber noch insgesamt 18 Milliarden Euro an den Staat abführen müssen.

Auf diese 18 Milliarden Euro hat die Bundesregierung es jetzt abgesehen. Geld, das noch gar nicht geflossen ist, sondern in den nächsten 35 Jahren die Beamtenpensionen finanzieren soll, will man nun im Voraus abkassieren und verfrühstücken.

Das läuft so: Man veräußert den Anspruch auf die jährlichen Zahlungen der drei Unternehmen an eine Art Bank. Für die ist das Geschäft nur interessant, wenn sie daran ordentlich verdienen kann. Daher muß ein kräftiger Nachlaß eingeräumt werden. Experten schätzen, daß der Staat für die 18 Milliarden Euro vorab 14 Milliarden Euro kassieren kann. Der Staat erhält also vorzeitig 14 Milliarden Euro, und Telekom, Postbank und Post leisten dann ihre Zahlungen bis 2040 nicht an den Staat, sondern an den Erwerber der Pensionsforderungen.

Die Frage ist, woher das Geld für die Pensionen kommen soll

Die drei Unternehmen werden also für ihre Beamten 18 Milliarden Euro zahlen, aber das Geld fließt ganz woanders hin. Wie will man dann in den nächsten 35 Jahren die Beamtenpensionen bezahlen? Genau das ist der Skandal: Das Geld ist weg. Ohne die Nebelbombe hätte es einen Aufschrei gegeben. Der ist jetzt ausgeblieben, so daß die Regierung mit ihrer Trickserei wohl durchkommt. Und einer kann sich ins Fäustchen lachen: Gerhard Schröder - ein wirklich brillanter Taktiker.

Lüder Gerken ist Vorstand der Friedrich-August-von-Hayek-Stiftung und der Stiftung für Ordnungspolitik, Freiburg.

 
 

Und das "dumme" Volk streitet sich Bundesweit über die Streichung eines Feiertages, oder das abziehen der Raucherpause von der Arbeitszeit.  Wacht endlich auf!

 
     
 

Selbst wenn alle Feiertage gestrichen werden und jeder 60 Stunden arbeitet, wer soll die "mehr" Produktion kaufen? Man kann, will und wird damit Stellen streichen!